Presseberichte 2019

Frauen im Handwerk: "Kraft spielt keine Rolle mehr"

Unternehmerfrauen des Jahres geehrt
Quelle: Main-Post

Unternehmerin Daniela Schleich gewinnt die Kategorie: „Mitarbeitende Unternehmerfrau im Handwerk 2019“

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Quelle: ZKF.de | Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik

Unternehmerfrauen des Jahres geehrt

Unternehmerfrauen des Jahres geehrt
Quelle: Norddeutsches Handwerk | 7. November 2019

„DEN MEISTER ZU MACHEN, WAR DIE BESTE ENTSCHEIDUNG MEINES LEBENS“

Kategorie "Mitarbeitende Unternehmerfrau"

Unternehmerfrau im Handwerk 2019

"Ich freue mich so sehr über diese persönliche Auszeichung. Es ist eine Anererkennung für all das, was ich für den Betrieb und das Handwerk geleistet habe", sagt Daniela Schleich. Handwerk - das war gar nicht ihre berufliche Richtung. Sie ist Steuerfachgehilfin, arbeitet in der Buchhaltung eines Autohauses und ist mit ihrem Beruf zufrieden, als sich ihr Mann im Jahr 2000 mit einer Autolackiererei selbstständig macht. „Wir wollten Firma und Privates trennen, das war uns sehr wichtig“, blickt sie zurück. Doch Ende 2005 braucht ihr Mann Unterstützung, er bittet sie, die Buchhaltung zu übernehmen. Schon ein Jahr später wird der Arbeitsaufwand zu groß, sie kündigt ihren Job im Autohaus und steigt bei ihrem Mann ein.

Es bleibt nicht bei der Buchhaltung, sie wird an vielen Stellen gebraucht. „Ich war sein Bob der Baumeister – ‚Jo, wir schaffen das‘ war immer meine Haltung, wenn es ein Problem gab.“ So auch, als wieder mal ein angestellter Meister Anweisungen ignoriert. „Er wusste, dass er in einer Machtposition ist, und mein Mann – selbst ohne Meistertitel – war verärgert“, erzählt sie. Eigentlich will sie ihren Mann nur beruhigen, als sie sagt, sie würde den Meister machen. Doch schon am nächsten Morgen liegen Broschüren zur Meisterausbildung auf ihrem Tisch.

Der Meister verändert ihr Leben

Jetzt gibt es kein Zurück mehr: Daniela Schleich macht ihren Ausbildereignungsschein mit Bestnote. „Das war ein riesen Motivationsschub“, erzählt sie. Dann meldet sie sich für die Meisterschule an. Schnell wird ihr klar, dass der erste Teil der Ausbildung, die Praxis, eine Herausforderung wird. „Mit fehlten einfach Erfahrung und Wissen“, sagt sie. Doch sie beißt sich durch und liest manche Bücher dreimal, bis sie die Inhalte wirklich versteht. Jedes Wochenende übt sie das Lackieren, bis es klappt. Teil 1 der Prüfung schließt sie mit der Note 3 ab, Teil 2 ist die Fachtheorie, die sie als Einzige in ihrem Kurs mit einer 1 beendet. Teil 3 – Buchhaltung – hat sie noch gar nicht geschrieben, als sie von der Handwerkskammer als Dozentin rekrutiert wird, auch dieser Teil wird eine 1. Für die Gesamtnote 1,5 wird sie von der Kammer ausgezeichnet und in den Meisterprüfungsausschuss berufen. Sie wird in weitere Prüfungsausschüsse berufen, referiert auf Veranstaltungen zum Thema Ausbildung, und als das Tagungsbüro von Königin Silvia von Schweden anruft und fragt, ob sie als Vertreterin des Handwerks auf einer Veranstaltung mit der Königin auftreten will, denkt sie, es ist ein Traum. 2015 wird sie für den Bayrischen Mittelstandspreis nominiert, 2016 erhält sie ihn tatsächlich. „Mein Leben hat so viel Fahrt aufgenommen, seit ich den Meister habe, das hätte ich nie für möglich gehalten. Mir hätte nichts Besseres passieren können“, sagt sie.

Als Querdenkerin gefragt

Seit sie als Handwerkerin tätig ist, hat sie gelernt, querzudenken. „Im Steuerbüro arbeitet man standardisierte Abläufe ab. In der Lackiererei muss ich spontan und flexibel reagieren, außerdem ist viel Versicherungs-, Rechts- und Gutachterwissen gefragt, und Erfahrung ist gefordert.“ Den Grund für ihren Erfolg beschreibt sie kurz: „Ich liebe, was ich tue.“

Das zeigt sich auch in ihrer Kreativität bei der Nachwuchsgewinnung: Wer in ihrem Betrieb eine Ausbildung mit guten Noten abschließt, bekommt ein Jahr lang ein Auto gestellt. Sie hält Vorträge in Schulen und auf Messen über die Vor- und Nachteile des Handwerksberufs, hat junge Flüchtlinge in ihrer Werkstatt angestellt und für ihre Mitarbeiter ein Prämiensystem erdacht, das Zuverlässigkeit belohnt. Die Frauenquote in Werkstatt und Büro beträgt 50 Prozent.

Unternehmerfrau im Handwerk 2019
© Tim Wegner

Daniela Schleich ist heute überall im Betrieb gefragt. „Ich habe jetzt eine ganz andere Akzeptanz. Ich bin nicht mehr die Frau vom Chef, die nur im Büro sitzt. Ich kann jetzt was“, sagt sie. Aktuell macht Daniela Schleich eine Weiterbildung zum geprüften Unfallschadenmanager. Ihr Blick in die Zukunft richtet sich auf den Neubau ihres Betriebes 2021 – „wir wachsen weiter“ – und langfristig auf die Übergabe: „Meine jüngste Tochter ist zwar erst zwölf Jahre alt, aber sie spricht heute schon davon, den Betrieb einmal übernehmen zu wollen“, erzählt sie. Ihre beiden älteren Kinder haben sich bisher gegen das Handwerk entschieden.

Freizeit hat Daniela Schleich wenig. Aber sie hat etwas in ihrer Garage versteckt, auf das sie sich freut und das ein bisschen Zeit braucht: ein Spider Cabrio, uralt, eigentlich nur noch eine Rohkarosse. Der Altlack muss noch ab, am besten mit einer Tauchbadentlackung. Die kostet 2.500 Euro – genau der Betrag, den sie gewonnen hat.

Unternehmerfrau im Handwerk 2019: Siegerin Daniela Schleich

Daniela Schleich im Video-Porträt: Preisträgerin "Unternehmerfrau im Handwerk 2019" in der Kategorie "mitarbeitende Unternehmerfrau".



Doppelter Ausbildungserfolg und die großartige Frauenpower

Von der Apotheke in die Werkstatt

Quelle: Main Post, 13.08.19

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